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Malteser Braunschweig

Bundesfreiwilligendienst in der Erste-Hilfe-Ausbildung

Ein Erfahrungsbericht

01.08.2018
Bundesfreiwilligendienst in der EH-Ausbildung

Mein Name ist Annalena Netz, ich bin 19 Jahre alt und ich habe im August 2017 meinen Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern Braunschweig im Bereich Erste-Hilfe-Ausbildung und Sanitätsdienst begonnen. Gerne möchte ich jetzt andere an meinen Erfahrungen dieses Jahres teilhaben lassen.

Wie und mit welcher Motivation bist du auf die Malteser als Anbieter des Freiwilligendienstes gekommen? Wolltest du das unbedingt oder war es eher ein Zufall?

Eigentlich bin ich eher zufällig in diesen Freiwilligendienst hineingerutscht. Mein Plan für die Zeit nach meinem Abitur stand schon lange fest: Ich wollte -und möchte auch heute noch- Pharmazie studieren. Trotz dessen ich ein gutes Abi erwarten konnte, hatte ich allerdings die Sorge, bei dem teilweise sehr hohen NC nicht gleich einen Platz zu bekommen. Ein Plan B musste her. Eine gute Möglichkeit wäre dementsprechend ein FSJ, also habe ich online einfach mal nach möglichen Stellen gesucht. In der 9. Klasse habe ich bereits bei den Maltesern in Celle mit viel Freude meine Ausbildung zum Schulsanitäter gemacht und darüber bereits gute Erfahrungen mit den Maltesern sammeln können. Als ich die Ausschreibung der Malteser gelesen hatte, habe ich mich also einfach mal beworben. An dieser Stelle noch immer in Gedanken an meinen Plan B.

Kurze Zeit darauf folgte auch schon die Einladung zum persönlichen Vorstellungsgespräch oder nennen wir es besser ein Kennenlerngespräch, da es einen wesentlich entspannteren Charakter hatte, als der andere Begriff vermuten ließe. Insbesondere dieses Gespräch hat mich einen weiteren großen Schritt zum Freiwilligendienst geführt. Denn schon zu diesem Zeitpunkt empfand ich nicht nur die Personen vor Ort, sondern die gesamte Atmosphäre in der Dienststelle als sehr angenehm und einladend.

Bei meinem Probearbeiten mit einer ehemaligen FSJ-lerin hat demnach schon nicht mehr viel gefehlt, dass aus meinem Plan B mein Plan A wurde. Rationale Kriterien, die das gut gestützt haben, waren z.B. die Aussicht einfach ein Jahr lang schon mal praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln zu können und, auch nicht ganz unwesentlich, schon mal ein Beitragsjahr auf meinem Arbeitskonto zu haben. Schließlich habe ich meinen Vertrag unterschrieben, bevor ich die Bewerbung für das Pharmaziestudium auch nur abgeschickt habe. Und darüber bin ich auch heute noch sehr froh und dankbar!

In welchem Bereich hast du deinen Freiwilligendienst gemacht und was waren deine Aufgaben? Inwiefern konntest du darauf Einfluss nehmen, was du machst?

Wie zuvor bereits einmal erwähnt, habe ich meinen BFD  in den Bereichen Ausbildung und Sanitätsdienst gemacht (überwiegend Ausbildung). Meine Aufgaben bestanden entsprechend in der Planung, Durchführung sowie Vor- und Nachbereitung von Kursen, einigen Verwaltungsaufgaben und im Innendienst noch den Telefondienst. Weiterhin natürlich alles, was zu Sanitätsdiensten dazu gehört, bei welchen wir seltener zu Tagesdiensten eingesetzt wurden. Dazu habe ich zu Beginn des Jahres die Lehrgänge zur Ausbilderqualifikation und zur Rettungshelferin (NRW) absolviert und auf letzterem aufbauend meinen Einsatzsanitäter gemacht.

Insbesondere in meinen Kursen hatte ich natürlich viel Gestaltungsspielraum. Aber auch sonst hatten wir immer wieder die Möglichkeit, uns mit neuen Vorschlägen einzubringen. Besonders schön finde ich auch, dass wir im Prinzip von Beginn an Wünsche zu Fortbildungen äußern konnten. So hatte ich bereits vor Ende des ersten halben Jahres meine Fortbildung für Kindernotfallkurse. Und auch noch nach Ende meines BFD wird eine meiner Wunschfortbildungen zum Praxisanleiter folgen. Nach etwa einem halben Jahr haben ich zusätzlich noch Aufgaben als „Lagerbeauftragte“ übernommen und mit der Zeit und mit meinen wachsenden Fähigkeiten immer häufiger Kurse durchführen dürfen, die individuellerer Planung bedurften, beispielsweise mit Flüchtlingen.

Wie hast du deinen ersten Arbeitstag erlebt?

Natürlich war ich aufgeregt! Wie würde das alles werden? Wie sind die Kollegen so drauf, wie sind die anderen FSJ-ler?... In meinem Fall kam insofern noch weitere Aufregung dazu, da ich die Nacht zuvor das erste Mal in meiner eigenen Wohnung geschlafen hatte.

Dabei muss ich sagen, war das alles ganz entspannt. An unseren ersten Tagen, insbesondere dem allerersten haben wir noch ganz viel (Kennen)Lernen, Einweisungen und viel Material, insbesondere unsere Arbeitskleidung und unsere Ausbildungsvorschrift, beinhaltet. Insgesamt war der erste Tag dann allerdings auch sehr schnell vorbei.

Was hast du in diesem Jahr als kritisch betrachtet?

Zugegeben, nicht jeder Tag war so spannend, wie sich das hier insgesamt vielleicht anhört. Manchmal war die Arbeitsbelastung doch sehr anstrengend, sodass sich auch mehrere eher eintönige Innendienste gehäuft haben. Und solche Daueraufgaben wie Masken desinfizieren oder Kurse abschließen werde ich auch nicht unbedingt vermissen. Das sind so typische Aufgaben, die andere Ausbilder uns sehr gerne überlassen haben. Und auch nicht zu allen Kursen bin ich motiviert hingefahren. Manche Berufsgruppen sind einfach anstrengend!

Was waren die Höhepunkte deines Freiwilligendienstes?

Genaue, einzelne Highlights zu benennen fällt mir da nicht ganz so leicht. Dazu hatte ich zu viele schöne Momente in diesen letzten 12 Monaten. Dazu zählen auf jeden Fall einzelne Kurse, die ich auch nicht so schnell vergessen werde, insbesondere meine Kurse mit Flüchtlingen und Migranten, die manchmal auch sehr herausfordernd waren, wobei ich an diesen Herausforderungen aber auch gut wachsen konnte. Dann sticht für mich auch mein erster Kurs in einer Kita deutlich hervor und bei ganz unterschiedlichen Zielgruppen noch die Dankbarkeit, die viele Teilnehmer mich haben spüren lassen. Bei all dem ist auch nicht zu vernachlässigen, dass ich auch immer gerne zur Arbeit kommen konnte, was vor allem darauf zurück zuführen ist, dass stets ein sehr gutes Arbeitsklima herrschte und ich sicher sein konnte, dass Vorgesetzte und Kollegen jederzeit hinter und neben mir stehen und mir vollkommen auf Augenhöhe begegnen.

Wie waren die oft gefürchteten, dennoch verpflichtenden Seminare für dich?

Bei der Formulierung der Frage müsste ich offiziell überlegen, welche Seminare gemeint sein könnten. Klar, wir haben einige Pflichtseminare, aber gefürchtet sind die keinesfalls. Im Gegenteil: Um es mit den Worten eines Kollegen auszudrücken: Diese Seminare waren häufig „wie Urlaub“. In entspannter Atmosphäre haben wir uns mit Themen beschäftigt, die uns persönlich betreffen und interessieren, dabei neue Leute in sehr ähnlichen Lebenssituationen kennengelernt und viele neue Freundschaften geschlossen. Für viele haben die Seminare zudem eine gute Möglichkeit zur Horizonterweiterung geboten und ganz nebenbei den Rahmen geschaffen, sich untereinander über die Arbeit in den Dienststellen auszutauschen und gegebenenfalls Schwierigkeiten zu klären. Wer kann sich über solche Seminare also groß beschweren?!

Als BFD-lerin hatte ich zusätzlich neben den anderen Seminaren noch eine Woche zur politischen Bildung. Auch wenn ich diese persönlich nicht zu meinen Highlights zählen würde, haben selbst da die anderen Teilnehmer für ausreichend schöne Erinnerungen gesorgt.

Hast du dir alles so vorgestellt oder warst du auch von etwas überrascht?

Meine konkreten Vorstellungen verschwimmen zwar in meinen Erinnerungen, im Großen und Ganzen passen meine Erfahrungen aber zu meinen Erwartungen. Eine Sache hat mich allerdings immer wieder überrascht. Das war die Reaktion vieler Kursteilnehmer auf mein junges Alter. Kommentare wie: „Was? Sie sind erst 18 (bzw. 19)? In dem Alter hätte ich das noch nicht geschafft, mich so souverän vor eine Gruppe zu stellen“ waren bisher keine Seltenheit, häufig gefolgt von Lob. Insgesamt hat mich diese Arbeit aber auch tatsächlich noch etwas selbstbewusster im Auftreten werden lassen.

Was ist dir sonst noch wichtig?

Nutze ich diese Frage doch einfach mal, um noch andere Punkte loszuwerden für alle, die möglicherweise über das Interview stolpern werden:

Ich kann mit meinem Erfahrungsbericht natürlich keinem garantieren, dass euer Freiwilligendienst bei den Maltesern genauso ablaufen wird, wie bei mir. Aber das möchte ich auch gar nicht. Dazu gibt es noch viel zu viele Möglichkeiten, wie ihr euch mit eurer Persönlichkeit einbringen könnt und ebenso viele Möglichkeiten, was ihr aus solch einem Jahr macht. Doch eines kann ich aus meiner Erfahrung heraus sagen: Ich kann diesen Freiwilligendienst unbedingt empfehlen. Egal, ob ihr ein oder mehrere Wartesemester überbrücken wollt, noch auf der Suche nach etwas Orientierung seid oder einfach erstmal etwas sinnvolles praktisch machen möchtet, es lohnt sich.

Weitere Informationen

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