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Ruhe vor dem Sturm?

Zahl der Patienten in der Malteser Migranten Medizin Hannover 2015 leicht gesunken

09.03.2016
Dr. Renate Gräfin von Keller, ärztliche Leiterin der Malteser Migranten Medizin Hannover, mit einem Patienten; Bildquelle: mhd/Schulze

Hannover (mhd) Leicht sinkende Fallzahlen in der Malteser Migranten Medizin (MMM) Hannover: 630 Patienten ohne Krankenversicherung suchten im vergangenen Jahr die Hilfe der fünf ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzte. 45 weniger als im Jahr davor, wie die jetzt vorgelegte Statistik für 2015 zeigt. Im Durchschnitt kamen die Patienten 2,2-mal, so dass die Ärzte der MMM 1393 Patientenkontakte hatten, 346 weniger als 2014.

Diese Zahlen sind zwar geringer als im Vorjahr, liegen aber dennoch deutlich über den Behandlungszahlen von 2013. Zurückgegangen ist unter anderem die Zahl der Männer aus Rumänien sowie der Männer und Frauen aus Bulgarien, während die Zahl der hilfesuchenden Frauen aus Rumänien leicht anstieg.

Diese Entwicklung, die auch andere MMM-Ambulanzen in Deutschland zeigen, spiegelt vermutlich die bessere Integration der rumänischen und bulgarischen Zuwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt wider. Mit der Aufnahme einer Arbeit werden diese Migranten in der Regel krankenversichert.

Spätestens im nächsten Jahr dürften die Patientenzahlen wieder steigen, vermuten die Verantwortlichen der MMM in Hannover. Grund ist der anhaltende Zustrom von Asylsuchenden nach Deutschland. Fachleute glauben, dass in den kommenden Jahren viele abgelehnte Asylbewerber in die Illegalität abwandern werden – und im Krankheitsfall dann zur MMM kommen. „Derzeit genießen wir eine kleine Atempause, die wir auch dringend brauchen“, sagt die Ärztliche Leiterin der MMM Hannover, Dr. Renate Gräfin von Keller. Tatsächlich waren die Patientenzahlen vor 2015 stetig gestiegen, insgesamt um das 3,5-fache seit Eröffnung der Ambulanz.

2015 kamen rund drei Viertel aller Patientinnen und Patienten aus den drei Ländern Rumänien, Bulgarien und Ghana. Die Zahl deutscher Patienten ohne Krankenversicherung in der MMM-Ambulanz erhöhte sich leicht auf 2,3 Prozent. Oft handelt es sich dabei um ehemalige Privatpatienten, die ihre Versicherungsprämien nicht mehr bezahlen können.

Erneut suchten deutlich mehr Frauen als Männer die wöchentliche Sprechstunde auf. Ihr Anteil macht inzwischen 71 Prozent aus, gegenüber 70 Prozent in 2014. Da Frauen zudem im Durchschnitt 2,4-mal pro Jahr in die Sprechstunde kamen, Männer aber nur 1,9-mal, liegt der Frauenanteil in einer typischen MMM-Sprechstunde inzwischen bei 76 Prozent. Die Statistik zeigt zudem, dass an einem durchschnittlichen Ambulanztag etwa 31 Patientinnen und Patienten die Hilfe der Malteserärzte suchen.

Das Spektrum der Erkrankungen ist bunt und spiegelt die ganze Bandbreite der Allgemeinmedizin wider, mit einem Schwerpunkt auf Schwangerschaften: Rund 30 Prozent aller Diagnosen entfielen auf diesen Bereich. Häufig sahen die Ärzte auch Erkrankungen der Atemwege (12 Prozent), Magen- und Darmbeschwerden (10 Prozent) sowie orthopädische Beschwerden (8 Prozent).

Nach Ansicht von Dr. Renate von Keller zeigt diese Statistik die Wichtigkeit des Projektes MMM. „Hier können wir Menschen helfen, die ohne uns nicht wüssten, wohin mit ihren Schmerzen“, sagt die Internistin. „Auf diese Weise haben unsere Unterstützer und Spender schon das eine oder andere Menschenleben gerettet.“

Die Malteser Migranten Medizin ist eine Einrichtung des Malteser Hilfsdienst e.V. Dort finden Menschen ohne Krankenversicherung, viele von ihnen Migranten ohne gültigen Aufenthaltsstatus, einen Arzt, der ihnen kostenlos hilft, auf Wunsch auch anonym. Die erste MMM-Ambulanz wurde 2001 in Berlin eröffnet. Inzwischen gibt es solche Sprechstunden in 14 deutschen Städten. Die MMM-Ambulanz in Hannover wurde 2007 eröffnet. Dort engagieren sich zurzeit fünf Ärztinnen und Ärzte ehrenamtlich sowie eine Hebamme. Die Kosten werden durch Spenden, einen Zuschuss von Stadt und Region Hannover sowie Eigenmittel der Malteser getragen. Unter anderem hatte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle im Rahmen des Bistumsjubiläums 2015 Spenden für die Arbeit der Malteser Migranten Medizin Hannover gesammelt.

Sprechstunden der MMM Hannover sind dienstags von zehn bis zwölf Uhr im Keller des Caritashauses, Leibnizufer 13-15, Hannover.

 

Weitere Informationen im Internet:

www.malteser-migranten-medizin.de

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Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE26370601201201209230  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7