Hilfe naht mit Bits und Bytes

Mit der „DICTUM Rescue-App“ gelingt die Verständigung mit fremdsprachigen Patienten; Bildquelle: Lukas/Malteser

Braunschweig/Lehre/Königslutter (mhd). Schmerzen? Wo? Seit wann? Wie stark? Fragen, die bei fremdsprachigen Patienten mitunter zwischen Leben und Tod stehen. Mit der „DICTUM Rescue“-App haben die Malteser-Rettungsdienste in Braunschweig, Lehre-Wendhausen und Königslutter seit kurzem einen digitalen Wegbegleiter, der die Verständigung mit jenen Patienten erleichtert, die kein Deutsch verstehen.

Die App läuft auf einem handelsüblichen Smartphone und passt daher in die Hosentasche eines Sanitäters. Sie unterstützt momentan 15 unterschiedliche Sprachen, darunter Arabisch, Kurdisch, Türkisch und viele osteuropäische Sprachen. Damit können Rettungskräfte den Patienten wichtige Fragen stellen und sie über die Rettungsabläufe informieren.

Entwickelt wurde die App mehr als ein Jahr lang gemeinsam vom Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, der Feuerwehr der Stadt Braunschweig und Rettungskräften des Malteser Hilfsdienstes sowie dem Softwareentwickler aidminutes GmbH. Rund 400 Fragen haben die Projektleiter in die App eingespeichert. Sie können nicht nur an den Patienten selbst gerichtet werden, sondern gegebenenfalls auch an umstehende Dritte – falls der Patient bewusstlos ist, aber eine andere Person in der Nähe. Gedacht wurde auch an die Möglichkeit, in einem „Kindermodus“ in kindgerechter Sprache zu kommunizieren.

DICTUM Rescue gibt die Inhalte in Wort und Ton wider. Speziell verstärkte Lautsprecher sorgen dafür, dass die App auch bei starken Umgebungsgeräuschen verstanden wird.

Seit wenigen Wochen läuft nun der Praxistest in den drei Rettungswachen der Malteser. Die ersten Erfahrungen in insgesamt sechs Rettungs- und Notarztfahrzeugen seien sehr positiv, sagt Nicolai Hollander, Dienststellenleiter der Malteser in Braunschweig. Tatsächlich haben die Rettungskräfte beobachtet, dass DICTUM Rescue nicht nur die Verständigung erleichtert, sondern manche Patienten auch ruhiger werden, wenn sie plötzlich eine Stimme in ihrer Muttersprache hören.

Begleitet wird die Erprobungsphase von wissenschaftlichen Studien. Sie sollen die Praxistauglichkeit des digitalen Übersetzers untersuchen und dann Verbesserungsvorschläge machen. „Ziel ist, dass fremdsprachige Patienten ebenso gut behandelt werden können, wie Menschen deutscher Muttersprache“ verdeutlicht Arzt und Projektleiter Frank Müller von der Universitätsmedizin Göttingen das Ziel. Verläuft alles nach Plan, könnten irgendwann alle Malteser-Rettungsfahrzeuge in ganz Deutschland mit der DICTUM-Rescue-App ausgestattet werden – und irgendwann dann auch andere Rettungsdienste.

Gefördert wird das Projekt in Braunschweig zwei Jahre lang aus Mitteln des europäischen Sozialfonds über die niedersächsische Förderrichtlinie „Soziale Innovation“ und vom Niedersächsisches Landesamt für Soziales, Jugend und Familie. In Lehre-Wendhausen sowie Königslutter engagiert sich dagegen das Bundeslandwirtschaftsministerium.


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