Von Kai-Uwe Ruf
WOLFENBÜTTEL. "Wir piecksen nicht wirklich", beruhigt Tobias Immenroth die Neuntklässlerin, die vor dem Schulgebäude auf der Trage des Rettungswagens liegt. Aber außer dem Stich in die Vene ist vieles genau wie bei einem echten Notfalleinsatz, als die Sanitäter des Malteser-Hilfsdiensts gestern die Schulsanitäter der Erich-Kästner-Schule besuchen.
Der Nachwuchs erlebt hautnah, wie die Profis arbeiten. Rettungs-Assistent Tobias Immenroth und Einsatz-Sanitäterin Sarah Jürges legen am Arm von ihrer Übungspatientin Jasmin Schmidtmann eine Manschette an, um den Blutdruck zu messen, sie kleben ihr Elektroden auf die Haut, um festzustellen, wie schnell das Herz schlägt, sie verfrachten die Schülerin mit einer Trage in ihren Rettungswagen und setzen ihr danach auch noch eine Sauerstoffmaske auf.
Jasmin Schmidtmann reagiert ein wenig aufgekratzt und freut sich über ihren hohen Puls. Bis auf 122 Schläge pro Minute steigt er, kurz bevor die Sanitäter die Trage in das große weiß-rote Fahrzeug schieben.
Kein Grund zur Sorge", versichert Immenroth. Der 36-Jährige erklärt den Schülern jeden seiner Handgriffe. Er zeigt, wie ein Patient versorgt wird. Den Anschauungsunterricht können die Erich-Kästner-Schüler gut gebrauchen. Fast 50 Einsätze hätten sie bereits gehabt, berichten die Schüler dem Rettungs-Assistenten stolz.
Hilfe leisten sie bei Stürzen auf dem Schulhof genauso wie bei Prüfungsangst, sagt Friederike Schwencke.
Die Schulsozialarbeiterin hat die Schulsanitätsgruppe an der Erich-Kästner-Schule im Februar gegründet. 12 Schüler machen in der Arbeitsgemeinschaft mit. "Das Interesse ist groß", sagt die 23-jährige Berufspraktikantin: "Ich nehme nicht jeden in die AG auf. Wer mitmachen will, muss Verantwortungsbewusstsein haben."
Unterstützung gibt es von den
Maltesern. Die Organisation hilft 16 Schulen, sagt
Sarah Jürges. Die Sanitäterin ist stellvertretende
Projektleiterin. Von den Maltesern gibt es
beispielsweise leuchtend gelbe Westen, damit die
Schulsanitäter bei ihrer Arbeit immer gut zu erkennen
sind. Die Organisation schickt aber manchmal auch ein
Rettungsteam vorbei. Das zeigt dem Nachwuchs, wie die
Profi-Retter arbeiten - und sorgt für frische
Motivation.
Dienstag, 12.06.2007 Braunschweiger Zeitung
(Wolfenbüttler Zeitung und Anzeiger)
Hier findest Du den Beitrag auf dem Newslick-Protal der Braunschweiger Zeitung.