Vom schlimmsten Hochwasser seit Jahrzehnten wurde in der dritten Juliwoche 2002 die Stadt Braunschweig und das gesamte Umland heimgesucht. Durch anhaltenden Regen in der gesamten Region standen besonders im Stadtgebiet Braunschweig nicht nur Keller, sondern ganze Strassenzüge und Viertel unter Wasser. Die Strassen im Bereich der Rettungwache der Malteser im Braunschweiger Stadtteil Querum standen tief unter Wasser. Der Rettungwagen, der hier üblicherweise seinen Dienst versieht, wurde vorübergehend in der Malteser-Rettungwache in der Kasernenstrasse stationiert.
Die Berufsfeuerwehr Braunschweig war mit zwei Löschzügen (bis zu 80 Beamte gleichzeitig) im Einsatz, alle 30 Freiwilligen Feuerwehren mit rechnerisch sieben Löschzügen (bis zu 600 Kameraden gleichzeitig). Darüber hinaus waren das THW aus Braunschweig, die Bereitschaftspolizei und etliche Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche der Stadtverwaltung seit Mittwoch Nacht ohne Pause im Einsatz. Insgesamt wurden bis Anfang der folgenden Woche über 2200 Einsätze abgewickelt. Ebenfalls waren viele Kräfte aus dem Umland nach Braunschweig beordert worden, unter anderem das THW aus Saarstedt, Gifhorn, Schöppenstedt, Elze und Varel sowie aus weiteren Städten in Niedersachsen und Hessen, 1 Löschzug der Feuerwehr Wolfenbüttel, 1 Löschzug derFeuerwehr Gifhorn, 4 Löschzüge der Feuerwehr Peine, 15 Soldaten der Bundeswehr sowie zwei Wasserwerfer der Polizei aus Hannover. Die Schnelleinsatzgruppe "Betreuung" des DRK Braunschweig wurde mit der Versorgung der Einsatzkräfte betraut. Die DLRG unterstützte die Einheiten, die mit dem Befüllen von Sandsäcken beschäftigt waren, transportierte Sandsäcke in die Einsatzgebiete und führte Sicherungsmassnahmen mit Dichtkissen durch. Weiterhin musste die Schnelleinsatzgruppe "Taucher" derDLRG zweimal unter Wasser liegende Abflussrohre verschliessen. Zeitweise wurde in Braunschweig Katastrophen-Voralarm ausgelöst. Zur Bewältigung des Einsatzaufkommens und der Anfragen vieler besorgter Bürger wurde eine Gefahrenabwehrleitung (GAL) eingerichtet.
Am Freitag, den 19.7.02 wurde gegen 14.00h auch die Schnelleinsatzgruppe "Sanität" der Malteser alarmiert. Gemeinsam mit Kräften der Bereitschaftspolizei, des städtischen Beschäftigungbetriebes, der Berufsfeuerwehr Braunschweig und der DLRG füllten unsere Helfer über 35 Tonnen Sand in Sandsäcke. Sie wurden gegen 23.00 Uhr von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schapen und anderen Feuerwehren abgelöst. Unser LKW wurde von Freitag nachmittag an die Nacht hindurch bis Samstag durch die Integrierte Leitstelle der Berufsfeuerwehr Braunschweig fast ununterbrochen zum Transport von Sandsäcke in die verschiedenen Einsatzgebiete eingesetzt. Insgesamt wurden von Donnerstag bis Sonntag etwa 60.000 Sandsäcke mit über 350 Tonnen Sand (!!) gefüllt. Neben den regulären SEG-Kräften halfen auch viele Kräfte der Braunschweiger Malteser, die sonst in anderen Bereichen tätig sind. Mit bis zu 37 Einsatzkräften gleichzeitig stellten wir Malteser nach der Feuerwehr eines der grössten Helferkontigente.
In der verwaisten Rettungswache in Querum wurde durch die Malteser eine Erste-Hilfe-Stelle eingerichtet, die ständig mit mehreren Rettungsassistenten und -sanitätern besetzt war. Die nervlich sehr beanspruchten Bewohner des Gebiets wurden durch die Helferinnen und Helfer der Malteser in der Nacht von Freitag auf Samstag in ihren Häusern betreut. Der Bereich vor der Rettungswache wurde durch unseren Geräteanhänger Licht ausgeleuchtet, denn zeitweise war der ganze Bereich ohne Strom. In der Umgebung der Wache halfen wir Malteser den Anwohnern beim Auspumpen der Keller, errichteten Wasserbarrieren und transportierten mit mehreren MTWs unermüdlich Sandsäcke herbei. Gleichzeitig waren einige Helfer der Malteser nötig, um unsere Rettungswache vor dem "Untergang" zu bewahren.
Besonders erwähnenswert ist, dass die Braunschweiger Bevölkerung sehr besonnen reagierte. Die Zusammenarbeit zwischen den teilweise über 1000 gleichzeitig eingesetzten Helfern der unterschiedlichsten Einheiten funktionierte schnell, effektiv und sehr kameradschaftlich.